Aus der Geschichte der Kirche

Kleine Kartoffel – große Wirkung

Widmen wir uns einmal der einfachen, gewöhnlichen Kartoffel. Die wahrscheinlich beliebteste aller Feldfrüchte spielte im Leben der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Europa eine besondere Rolle. Zwei Begebenheiten belegen das.

Kartoffeln sind in Weißrussland ein Hauptnahrungsmittel. In den 90er Jahren fielen die Kartoffelernten schlecht aus: 22 Säcke Saatgut brachten nur 50 Säcke Ernte ein. Die Bauern hatten es schwer – doch das sollte sich bald ändern.

Idaho, im Nordwesten der Vereinigten Staaten gelegen, ist für den Kartoffelanbau bekannt. In der kleinen Ortschaft Ashton pflanzte die Familie von John Hess schon jahrzehntelang Kartoffeln an. Nachdem sie im Ruhestand waren, meldeten sich John und seine Frau Shirley für die Jahre 1999 und 2000 bei der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als ehrenamtliche Helfer.

Nach Weißrussland berufen, konnten sie ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse im Kartoffelanbau dazu nutzen, den Menschen bei der Ernte dieser Feldfrüchte zu helfen. Mit den Samen und Methoden, die sie kannten, und mit viel Beten konnten sie pro Hektar 550 Säcke Kartoffeln ernten. Dieser Anstieg um das Elffache gegenüber den Vorjahren erregte vielerorts Aufmerksamkeit und führte zur Zusammenarbeit mit verschiedenen regierungsunabhängigen Organisationen.

Kartoffelernte
Kartoffelernte in den Niederlanden, 19472021 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
  

Diese Geschichte weckt Erinnerungen an ein anderes „Kartoffelwunder“, das 50 Jahre zuvor stattfand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Niederländer kein einfaches Leben. Die Wehrmacht hatte im ganzen Land erheblichen Schaden angerichtet. Häuser, Kirchen, Gutshöfe, Deiche und Wälder waren zerstört.

Fünf bittere Jahre lang hatten die Nazis die Niederlande besetzt. Viele Holländer wurden exekutiert oder in Gefangenenlager gesteckt. Andere arbeiteten mit den Nazis zusammen, um ihre Familie oder Freunde zu beschützen. Es herrschten Misstrauen und Argwohn, selbst in den Gemeinden der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Präsident Cornelius Zappey kam im Februar 1946 an und half den 3200 Mitgliedern, ihre Existenz und ihre Kirche wieder aufzubauen. Dank der Belieferung mit Hilfsgütern waren die Menschen mit Kleidung und Nahrung versorgt, doch was konnte die Verbitterung gegenüber den Deutschen und das Misstrauen den Nachbarn gegenüber beheben?

Präsident Zappey fastete und betete. In seinen Predigten sprach er davon, wie wichtig Liebe und Vergebung sind. Obwohl die Mitglieder selbst noch darauf angewiesen waren, sollten auch sie Wohlfahrtshilfe leisten.

Und so nahmen die „Kartoffelprojekte“ ihren Anfang. Tagelang führten die Gemeinden „Pflanztage“ durch. Dabei wurde gesungen, gepredigt und gebetet, und zu guter Letzt pflanzten Gruppen von Mitgliedern sogar Saatkartoffeln an, die sie vom Staat erhalten hatten, und das auf unbebauten Grundstücken ebenso wie auf Grünstreifen zwischen den Schnellstraßen oder in Gärten und Blumenbeeten. Gemeinsam kümmerten sich die Mitglieder darum, Kartoffeln zu pflanzen, zu gießen und zu züchten, wodurch nicht nur das Saatgut, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl aufblühte.

Die Mitglieder der Kirche sahen einer reichen Ernte entgegen, die sie mit Bedürftigen teilen konnten. Dann erfuhr Präsident Zappey, dass Deutschland trotz aller Hilfeleistungen unter Hunger und Entbehrungen litt.

In einer Ansprache an die holländischen Mitglieder räumte Präsident Zappey wohl ein, dass man Zerstörung und Verfolgung erlitten hatte und ungute Gefühle weiter vorherrschten, doch er wies auch darauf hin, dass „das Regime“ das Zerstörungswerk angerichtet hatte, nicht die Bevölkerung. Das deutsche Volk war am Verhungern. Waren die Holländer bereit, die gesamte Kartoffelernte ihren Glaubensbrüdern und -schwestern in Deutschland zu überlassen?

Die holländischen Mitglieder sahen über alle Vorurteile und alle Feindschaft hinweg und sandten die vollständige Ernte von 70 Tonnen Kartoffeln den Mitgliedern in Deutschland. Das „Kartoffelprojekt“ führte zu neuer Einigkeit und Liebe und erweichte in beiden Ländern den Menschen das Herz.

Link zum Video "Damit eins seien – Kartoffeln aus den Niederlanden".

Hinweis an Journalisten:Bitte verwenden Sie bei der Berichterstattung über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bei deren ersten Nennung den vollständigen Namen der Kirche. Weitere Informationen hierzu im Bereich Name der Kirche.