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Hintergrund

Anteilnahme und Trauer in Hanau

Zwei Wochen nach den tödlichen Schüssen in Hanau herrschen in der Brüder-Grimm-Stadt weiterhin Trauer und Fassungslosigkeit. Menschen bleiben an den Tatorten und am Marktplatz stehen, halten inne oder brechen in Tränen aus. Die Stadt rückt zusammen. Fremde begegnen sich auf der Straße, nicken sich still zu oder lächeln sich an. Muslime, Christen, Juden und Baháʼí treffen sich, um zu beten und einander Mut zuzusprechen. Zehntausende beteiligen sich an Mahnwachen und Trauerfeiern.

Es ist nicht an der Zeit für einzelne Gemeinschaften oder Organisationen, sich hervorzutun. Alle stehen zusammen. Menschen trauern um Menschen, losgelöst von Konfession und Bekenntnis. Gleichwohl erreichen uns Anfragen von Gläubigen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie ihre Kirche in Deutschland und vor Ort in Hanau auf die schrecklichen Taten reagiert. Hier eine kurze Chronik:

Mittwoch, 19. Februar 2020

Neun Menschen werden in Hanau erschossen. Der mutmaßliche Täter und seine Mutter werden tot aufgefunden.

Donnerstag, 20. Februar 2020

In den frühen Morgenstunden einigt sich der Runde Tisch der Religionen auf eine gemeinsame Stellungnahme, der Vertreter der Kirche Jesu Christi ist an der Formulierung beteiligt. Im gemeinsamen Text heißt es: "Wir sind tief erschüttert. Unsere Gebete begleiten alle, die leiden und trauern. Die Aussage aus unserem gemeinsamen Wertekodex bestätigen wir nachdrücklich: Wir distanzieren uns von Gewalt in jeglicher Form und engagieren uns ausdrücklich für ein friedliches Miteinander."

Elder Erich W. Kopischke, Zweiter Ratgeber in der Gebietspräsidentschaft Europa der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, äußert sich zu den Anschlägen: "In der vergangenen Nacht wurden in Hanau durch Schüsse Menschen von einem Moment auf den anderen aus dem Leben gerissen. Die Ereignisse sind erschütternd und zutiefst beunruhigend. Als Gläubige der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Hanau und überall trauern wir mit den Trauernden. Wir beten für diejenigen, die einen Angehörigen oder Freund verloren oder selbst Verletzungen erlitten haben. Wir erbitten Gottes Segen für alle, die Trost bedürfen. Gemeinsam mit allen Menschen guten Willens sprechen wir uns gegen Gewalt aus und setzen uns ein für eine friedliche Gesellschaft."

Das EU-Büro der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage schickt eine Beileidsbekundung an die ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union.

Am Abend sprechen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei einer Mahnwache auf dem Hanauer Marktplatz. Mitglieder der Gemeinde Hanau der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind anwesend.

Sonntag, 23. Februar 2020

Ein Jugendlicher betet im Gottesdienst der Kirche Jesu Christi in Hanau für die Verletzten und die Angehörigen der Todesopfer. Die Stellungnahme von Elder Erich W. Kopischke wird von der Gemeindeleitung verlesen. Nach dem Gottesdienst kommen Gläubige formlos zusammen und führen Gespräche. Mitglieder mit Migrationshintergrund äußern Ängste vor rassistisch bewegter Gewalt.

Der Bischof der Gemeinde Hanau der Kirche Jesu Christi, Andreas Wagner, und dessen Ratgeber Mathias Zarse und Christian Schmidt, unterzeichnen einen Brief an den Oberbürgermeister. Zitat: "Wir danken Ihnen ausdrücklich und aus ganzem Herzen für die Würde, die Besonnenheit und die Nächstenliebe, mit der Sie Ihr Amt unter diesen Umständen ausüben. Unsere Gebete begleiten nicht nur diejenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben oder selbst verletzt wurden, sondern auch Sie persönlich und Ihre Familie."

Der Islamische Verein Hanau lädt zu einem Trauermarsch mit Kundgebung zum Gedenken an die Opfer ein. Unter den Teilnehmern ist der Vertreter der Kirche Jesu Christi am Runden Tisch der Religionen.

Montag, 24. Februar 2020

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky und die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck laden kurzfristig zu einer Sondersitzung des Runden Tisches der Religionen im Rathaus ein. Die Anwesenden, darunter ein Vertreter der Kirche Jesu Christi, einigen sich auf eine gemeinsame Erklärung: "Wir trauern um die Toten des 19. Februar. Sie waren Hanauerinnen und Hanauer, Menschen aus Maintal, Erlensee und Dietzenbach. Unsere Erschütterung über den rassistischen Terrorakt am 19. Februar 2020 hält an. Wir empfinden eine tiefe Scham angesichts des unfassbaren, entsetzlichen Verbrechens. Uns ist bewusst, dass das Leid der vom Terrorakt betroffenen Familien schier unermesslich ist. Wir versichern den betroffenen Opfern und ihren Familien unsere Solidarität und Nächstenliebe. Wir beten für sie und für alle, die ihre Liebsten verloren haben und weiter in Angst leben. Unsere gemeinsame Überzeugung ist, dass Hanau eine offene, tolerante, lebensbejahende, lernende Stadt ist und bleiben muss, in der allen Menschen mit dem nötigen Respekt begegnet wird. Das gilt seit der Aufnahme von Glaubensflüchtlingen Ende des 16. Jahrhunderts. Das ist Vermächtnis auch für die Zukunft. Jetzt erst recht müssen sich alle gesellschaftlichen Gruppierungen noch stärker dafür einsetzen, Vorurteile abzubauen und Brücken zu bilden. Die Mitglieder des Runden Tischs der Religionen werden sich mit Nachdruck für Vielfalt und Einheit in Hanau einsetzen und den gesellschaftlichen Dialog fördern."

Mittwoch, 26. Februar 2020

Die Evangelische Landeskirche in Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Stadtkirchengemeinde Hanau laden zu einem Friedensgebet in die Evangelische Marienkirche ein. In der Einladung heißt es, diese richte "sich über konfessionelle Grenzen hinweg an alle Menschen, denen der Frieden in der Gesellschaft am Herzen liegt". Der Vertreter der Kirche Jesu Christi am Runden Tisch der Religionen nimmt teil.

Mittwoch, 4. März 2020

Vertreter der Kirche Jesu Christi in Washington D.C. übermitteln ein Kondolenzschreiben an ihre Exzellenz Frau Dr. Emily Haber, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in den Vereinigten Staaten.

Zur zentralen Trauerfeier im Congress Park Hanau ist ein Vertreter der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als Mitglied des Runden Tisches der Religionen eingeladen.

Montag, 30. März 2020

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage überweist 5.000 Euro auf das Spendenkonto der Stadt Hanau für Familien der Opfer.

Donnerstag, 18. Februar 2021

Die Mordanschläge von Hanau jähren sich zum ersten Mal. Am Vorabend des ersten Jahrestages wird ein Video veröffentlicht, das zehn am Runden der Tisch der Religionen beteiligte Gemeinschaften gemeinsam erstellt haben. Darin sprechen sie den Angehörigen Mitgefühl aus und rufen zu Achtung und Respekt auf.

Freitag, 19. Februar 2021

Der Vertreter der Gemeinde Hanau der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage am Runden Tisch der Religionen nimmt unter Coronabedingungen an der muslimischen Trauer- und Gedenkfeier auf dem Hanauer Hauptfriedhof, an der gemeinsamen Gedenkstunde der Jüdischen Gemeinde Hanau, der Wallonisch-Niederländischen Kirche und der katholischen Stadtpfarreien sowie am Gedenkmarsch Bahá’í-Gemeinde teil. Das interreligiöse Gedenkvideo wird als Teil einer Sondersendung der Stadt Hanau im Internet gezeigt (ab Minute 01:03:28).

Amtsträger und Gläubige der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage werden weiterhin Hand in Hand mit Menschen anderen Glaubens Trauernden beistehen, Trost spenden und für ein friedliches Miteinander einstehen.

Artikel aktualisiert am Donnerstag, den 19. Februar 2021.

Hinweis an Journalisten:Bitte verwenden Sie bei der Berichterstattung über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bei deren ersten Nennung den vollständigen Namen der Kirche. Weitere Informationen hierzu im Bereich Name der Kirche.